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Nachhaltig und sozialverträglich: Liefert der Rohstoff Holz eine Lösung zum Wohnungsnotstand?

1. Warum Holzbauweise?

Unsere neuzeitliche Bauweise stößt angesichts der weltweit immer knapper werdenden Ressourcen an ihre Grenzen. Die Bauherren stehen vor der Herausforderung der Gewährleistung gesetzlicher Auflagen zur Energieeffizienz und der stetig steigenden Kosten für Materialbeschaffung sowie -verarbeitung. Zusätzlich befeuern die Turbulenzen auf dem Kapitalmarkt die Spekulationen mit Immobilien. Das treibt die Preise für Bestandsimmobilien und Neubauten weiter in die Höhe. In großen Städten können sich bereits heute junge Familien oder Normalverdiener wie die Supermarktkassiererin oder der Werkzeugmacher das Wohnen zur Miete kaum noch leisten. An Wohneigentum wagen diese Menschen nicht einmal zu denken. Ein Umdenken ist also aus sozialpolitischer und ökologischer Sicht zwingend erforderlich!

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Unter der Voraussetzung einer nachhaltigen Forstwirtschaft kann die Holzbauweise einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der ökologischen Wende leisten. Bereits in den letzten Jahren schritten einige Bauunternehmer auf dem „Holzweg“ voran und realisierten Projekte in Vollholz- oder Mischbauweise. Der Erfolg gibt ihnen recht. Die Thoma-Holz GmbH des österreichischen Forst- und Betriebswirts gehört zu den Pionieren der nachhaltigen Holzbauweise. Mittlerweile bilanziert das Unternehmen mit einem Patent zur Holz100-Bauweise Millionenumsätze.

Die Plymodul Rhein-Neckar GmbH setzt Holz in einer flexiblen Modul- Mischbauweise ein. Über die Größe und Aufteilung des Wohnraums entscheidet der Kunde. Statt Folien nutzt das Unternehmen Holzfasern zur Wärmedämmung. So ist nicht nur die durch die KfW geförderte Energieeffizienz, sondern auch eine kostengünstige Alternative zum klassischen Massivbau- und Fertighaus gewährleistet. Die Kunden profitieren beim Preis und von den natürlichen Eigenschaften, die der Rohstoff Holz bietet.

2. Welche Vor- und Nachteile bietet die Holzbauweise im Vergleich zum Massiv- und Fertighausbau ?

Holz eignet sich von Natur aus als idealer Rohstoff für den Hausbau. Die Bewohner sind Nutznießer eines gesunden Raumklimas. Unbehandeltes Holz ist frei von giftigen Schadstoffen und kann besonders Allergikern das Leben in den eigenen vier Wänden erleichtern. Der anheimelnde Geruch und die besondere Atmosphäre, die von einem mit Holz getäfelten Haus ausgeht, überzeugt nicht nur Skandinavier, die auf eine jahrhundertealte Erfolgsgeschichte der Holzbauweise zurückblicken. Das „Leben in einem lebendigen Haus“ findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger.

Neben den gesundheitlichen und ästhetischen Aspekten liefert eine energieeffiziente Holzbauweise wesentliche monetäre Vorteile. Die Bauzeit ist i.d.R. kürzer als der Massivbau und nach sachgemäßer Dämmung spart das Holzhaus Heiz- und Energiekosten. Hierbei bescheinigen Experten der Holzbauweise den höchsten Spareffekt und prognostizieren im Zuge des Aufschwungs der Holzbauweise eine energieautarke Wohnsituation, bei der diese Betriebskosten gen Null tendieren. Der Rohstoff Holz verhält sich aufgrund thermischer Trägheit wie eine natürliche Klimaanlage und realisiert ein im Sommer angenehm kühles und im Winter behaglich warmes Haus.

Das Vollholzhaus ist zu 100% ökoeffektiv. Mit diesem Begriff beschreiben der deutsche Chemiker Michael Braungart und der US-amerikanische Architekt William McDonough biologische Nährstoffe, die vollständig in den Stoffkreislauf der Natur zurückgeführt werden können. Das Holzhaus kann – je nach Verarbeitung – ohne großen Energieaufwand abgetragen und recycelt werden – im besten Fall ohne ein Quäntchen Abfall zu hinterlassen. Das Holzhaus ist und bleibt Bestandteil der Natur.

Den Brandschutz stellen die Unternehmen durch die Verwendung von Massivholz sicher. Die Thoma-Holz GmbH bewies in einer Testreihe, in der Massivholz über Stunden mit 1200 Grad beflammt wurde, dass Massivholz nicht brennt, sondern langsam verkohlt. „Langsam genug jedenfalls“, erklärt Erwin Thoma „um sich in Sicherheit zu bringen.“1 In Kombination mit modernen Alarmsystemen erfüllt das Holzhaus das Sicherheitsbedürfnis seiner Bewohner.

Die Vorteile sprechen für sich und überzeugen mit Blick auf die Folgen der steigenden Nachfrage nach Sand, einem wesentlichen Bestandteil von Beton. Ein weltweiter Bauboom hat in den letzten Jahren zur Ausweitung der Sand-Förderung geführt. Der Tagebau hinterließ verwüstete Landstriche und ausgeschürfte Flussbetten, die die Hochwassergefahr verschärfen. Neuerdings beackern riesige Schiffe den Meeresboden und fördern unter hohem Energieeinsatz Sand aus der Tiefe des Ozeans. In Dritte-Welt-Ländern verschwindet über Nacht der Strand einer Dorfgemeinschaft; am anderen Ende der Welt versandet er in den Fassaden eines Bürogebäudes. Die Bauwirtschaft trägt deutliche Mitverantwortung am Raubbau der natürlichen Ressourcen und an der Verschärfung ökosozialer Krisen. Neue Denkansätze – wie die Verwendung des Rohstoffs Holz – könnten die Entwicklung der Bauwirtschaft in eine umwelt- und sozialverträgliche Richtung lenken.